Die Uber/Aibnb & Co.- Strategie

Ansichtssache Nr. 15 von Arno Rolf

Unter dem Label Sharing Economy schwappt die digitale Plattform-Ökonomie kalifornischer Machart nach Deutschland. Ihr Kern, aus dem sich eine Vielzahl neuer Geschäftsmodelle entwickeln können: Zwischen Konsumenten und vielen Anbietern der „Old Economy“, die bislang die Welt der Produkte und Dienstleistungen beherrschten, schiebt sich eine Internet-Vermittlungsplattform, mit „disruptiven“ Folgen für die analoge Ökonomie.

Bekannt geworden ist diese Innovation unter anderem durch den Fahrdienst UberPop, der private Fahrer mit ihren PKW an beförderungswillige Kunden vermittelt, sowie Airbnb, über den private Unterkünfte gemietet werden können.

UberPop erkämpft sich seinen Wettbewerbsvorteil gegenüber Taxifahrern, indem er seine Nebenbei-Fahrer ohne Versicherungsschutz der Fahrgäste, ohne Personenbeförderungsschein und Gesundheitszeugnis fahren lässt, bei bis zu 20 Prozent Vermittlungsgebühr für UberPop. In der Konsequenz will UberPop gleich beide, Taxizentralen wie Taxifahrer, „wegrationalisieren“. In San Francisco ist ihm das schon fast gelungen: Die lokale Taxivereinigung meldet einen Rückgang der Taxifahrten von mehr als zwei Dritteln.

Uber, das größte Taxiunternehmen der Welt, besitzt keine Autos. Airbnb ist mittlerweile ein „Hotelriese ohne eigene Hotels“. Aibnb muss sich nicht um hotelübliche Vorschriften bei Brandschutz und Hygiene kümmern. Die Provision: drei Prozent vom Vermieter, sechs bis zwölf Prozent vom Mieter.

Die mit dem philosophischen Leitbild des Teilens argumentierenden beiden früheren Start-ups sind mittlerweile die Lieblinge der Anlage suchenden Investoren. Uber wird mit 17 Mrd. Dollar gehandelt, die Wohnungsbörse Airbnb mit 10 Mrd. Dollar. Fachleute schätzen in Berlin die Zahl auf 15.000 Ferienwohnungen. Die Tauschwirtschaft a lá Airbnb nützt vor allem denen, die selbst etwas anzubieten haben und besitzen, denn schicke Wohnungen in guten Vierteln bringen natürlich die höchste Rendite.

Doch was ist der Kern dieser sogenannten Sharing Economy, was trägt sie zum besseren Verständnis der digitalen Transformation bei und wie soll man dieser Ökonomie begegnen, die sich über bestehende Gesetze und Regelungen hinwegsetzt? Der Ruf liegt nahe, verbieten, zumindest regulieren. Die neuen Konkurrenten fordern dagegen: Deregulieren und neue Gesetze, die Konkurrenz zum Taxi- bzw. Hotelgewerbe zulassen. Denn der Kunde kann durch niedrigere Preise profitieren.

Dieser Konflikt ist nicht lösbar, ohne dass eine Partei in die Knie gezwungen wird. Man muss sich entscheiden, will man Arbeitsplätze erhalten oder günstigere Preise und möglicherweise auch mehr Komfort für Verbraucher zulassen? Werden dieselben Regeln der Personenbeförderung an UberPop gestellt, werden sie ihren Preisvorteil einbüßen, möglicherweise durch die exorbitant hohen Uber-Provisionen sogar teurer sein. Es ist der Konflikt, der der Plattform-Ökonomie generell inhärent ist.

Airbnb wie Uber sind nur exemplarische Vertreter der Sharing Economy. Mit viel amerikanischem Wagniskapital  setzen sie auf schnelle weltweite Ausbreitung und Zerstörung etablierter Geschäftsmodelle, um globale Monopole zu errichten: Ein Angriff auf die soziale Marktwirtschaft.

Begleitet wird die Strategie von in Deutschland eher ungewohnten Werbestrategien: Das UberPop-Verbot des Verwaltungsgerichts Frankfurt wird vom Uber-Management genutzt, um den Spruch erst einmal zu negieren, damit die Medien über Wochen eine Story haben. Uber hat so kostenlos eine Werbekampagne, für die man sonst Millionenbeträge zahlen müsste.

Das alles sieht der Uber-General Manager Westeuropa Pierre-Dimitri Gore-Coty allerdings anders. In der FAZ schreibt er: „Das Uber-Verbot ist zu simpel. Deutschland sollte nicht zurückfallen. … Neue Plattformen für gemeinschaftlichen Konsum entstehen als Antwort auf gesellschaftliche Anforderungen, die man nicht ignorieren darf. In Deutschland und weltweit müssen Regierungen dafür sorgen, dass ihre Bürger von den Vorteilen dieser auf gemeinsame Nutzung ausgerichteten Wirtschaft profitieren können. … Dieses neue Wirtschaftsmodell bietet den Verbrauchern greifbare Vorteile: bessere Dienstleistungen, mehr Auswahl und niedrigere Preise. Gesetze und Vorschriften sollten die Rechte der Verbraucher schützen. … Von allen verlangt Uber ein Führungszeugnis, Führerschein, Personalausweis und ein viertüriges Auto, das auf den Fahrer zugelassen und nicht älter als zehn Jahre ist. … So wie das Internet Computer miteinander verbunden hat, so verbindet und bewegt Uber weltweit Menschen mittels eines virtuellen Transportnetzes“.

Für Uber, Airbnb & Co. stehen dabei eventuelle Verbrauchervorteile im Vordergrund. Interessen der Beschäftigten bleiben unerwähnt, sie fallen unter den Tisch.

Am Beispiel der Sharing Economy wird einer der „Urkonflikte“ der digitalen Transformation sichtbar: Für die Konsumenten wird es billiger und bequemer, für eine wachsende Zahl der Beschäftigten geht es um die Existenz.

Die urliberale Sichtweise wird argumentieren, das muss der Markt regeln, die konservative dazu neigen, Regulierungen des Ausgleichs für die Benachteiligten zu fordern. Beide werden nicht verhindern, dass Plattform-Monopole entstehen mit sagenhaften Börsennotierungen und Profiten. Im Kern geht es um das Überleben der sozialen Marktwirtschaft und ihre mögliche Zerstörung durch die globale Plattform-Ökonomie.

Sollten sich diese Modelle der Sharing Economy durchsetzen, dann werden viele Beschäftigungsverhältnisse zu Freizeitangeboten mit Zubrotcharakter. Amazon beispielsweise wird dann keine kommerziellen Paketdienste mehr benötigen, über eine App kann jedermann gegen ein Taschengeld die Ware zustellen.

Die „neue“ Arbeitspolitik könnte dann etwa so aussehen: Privatleute werden ihre Produkte und Kompetenzen (Autos, Wohnungen, handwerkliche und kaufmännische Fähigkeiten) online anbieten. Das Netz wird zum universellen Marktplatz, der die Beteiligten zusammenführt. Die Gate-Keeper-Funktion liegt in den Händen einiger Silicon-Valley-Monopole. Diese Entwicklung wird uns über kurz oder lang als „Sachzwang der digitalen Ökonomie“  selbstverständlich erscheinen.